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Die Heimat des map - report Artlenburg an der Elbe Unterschätzte niedersächsische Boomregion |
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Der
Flecken Artlenburg liegt im Nordwesten des Landkreises Lüneburg direkt an
der Elbe. Während die deutsche Teilung überwunden ist, kann Artlenburg
das von sich nicht behaupten: In West/Ost-Richtung wird der Ort getrennt
durch den Elbe-Seiten-Kanal, der bei Artlenburg in die Elbe fließt. In
Nord/Süd-Richtung trennt die Bundesstraße 209 von Lüneburg in Richtung
Lübeck. Artlenburg
hat eine lange Geschichte. In grauer Vorzeit, als die Salzstadt Lüneburg
zu Ruhm und Reichtum kam, wurde das weiße Gold mit Pferdefuhrwerken an
die Elbe bei Artlenburg gebracht, übergesetzt und in Höhe der Ertheburg
auf Holsteiner Seite wieder auf Pferdefuhrwerke umgeladen. Die brachten
das Salz dann nach Lübeck, von wo es in die gesamte Ostseeregion
verschifft wurde.
Als
1990 in Artlenburg an der Elbe der map – report gegründet wurde, hatte
der Ort rund 1.300 Einwohner. Heute sind es fast 1.700 Einwohner. Von
derartigen Wachstumsraten der
Einwohnerzahl können die großen Verlierermetropolen nur träumen. Und es
geht weiter. Auf
Deutschland kommt eine gigantische demografische Katastrophe zu, deren
Ausmaß sich heute kaum jemand vorstellen kann. Hintergrund: Seit 30
Jahren werden in Deutschland weniger Kinder geboren als Menschen sterben.
Deutschland vergreist durch seine Kinderfeindlichkeit. Vor allem die völlig
überteuerten Metropolen wie München, Frankfurt und Stuttgart, in denen
sich normale Menschen die Miete für ein Kinderzimmer praktisch nicht mehr
leisten können. Das gilt vielfach auch schon für das völlig überteuerte
Umfeld. Auch
die starke Wirtschaftsmetropole Hamburg ist alles andere als billig. Vor
allem in den Nobellagen an Elbe und Alster werden für Häuser und
Wohnungen astronomische Preise und Mieten verlangt. Effekt: Viele
Hanseaten sind ins nördliche und südliche Umland ausgewichen. Das merkt
man den dortigen Preisen schon an. So liegen die Mieten in Buchholz in der
Nordheide stellenweise über dem Niveau von Hannover-Zoo, wo Kanzler Schröder
residiert. Und
so suchen die Hanseaten weitere preiswerte und attraktive Ausweichmöglichkeiten,
die sie inzwischen im Südosten entdeckt haben. Ein Trend, der weitergeht,
glaubt man den Prognosen des Niedersächsischen Statistischen Landesamtes.
Danach wird Lüneburg bis 2012 den höchsten absoluten Einwohnerzuwachs in
Niedersachsen verbuchen können, noch vor den Kinderhochburgen Oldenburg
und Vechta.
Sieht
man sich hingegen die hochgerechneten prozentualen Wachstumsraten der
Statistiker an, so dominiert die Samtgemeinde Scharnebeck (Landkreis Lüneburg),
zu der auch Artlenburg gehört. Ein Wachstum von sagenhaften 25,79 % wird
hier vorhergesagt. Das ist wohl kein Zufall: Auf dem nächsten Platz folgt
die Samtgemeinde Ilmenau, ebenfalls aus dem Landkreis Lüneburg. Und der
Rang fünf geht an die Samtgemeinde Elbmarsch aus dem Landkreis Harburg,
die unmittelbar an der westlichen Dorfgrenze Artlenburgs
beginnt. Basis dieser Hochrechnungen der Statistiker ist vermutlich
der Einfamilienhausboom der vergangenen Jahre. Der dürfte sich aber immer
stärker abschwächen, denn selbst unter verträumten Häuslebauern dürfte
sich bald herumsprechen, dass in 30 bis 50 Jahren, wenn Deutschland 15
Millionen Einwohner weniger hat und vom verbliebenen Rest die Hälfte im
Seniorenalter ist, der Verkaufserlös eines Hauses deutlich unter dem
heutigen Kaufpreis liegen könnte, weil sich die Nachfrage deutlich abschwächen
wird. Das vorhergesagte Wachstum in der Einwohnerzahl werden Artlenburg
und die Nachbargemeinden wohl nur erreichen, wenn sie Investoren suchen,
die, als zweites Standbein, ein attraktives Angebot an Mietwohnungen
schaffen. Die
Chancen stehen gut, denn nach Fertigstellung der beiden Autobahnen A 25
(Hamburg-Geesthacht) und A 250 (Hamburg-Lüneburg) besteht für
Artlenburger mit dem Auto eine hervorragende Anbindung an Hamburg. Die
Autobahnen sind in weniger als 20 Minuten erreichbar, die Hamburger
Innenstadt in weniger als 45 Minuten. Allerdings ist das Auto
unverzichtbar. Wer von Artlenburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach
Hamburg möchte, muss eine Verdreifachung dieser Fahrzeit einkalkulieren.
Die „Schnell“-Buslinie Lauenburg- Hamburg ist höchst unattraktiv. Die
Fahrt von Artlenburg über den Lüneburger Bahnhof nach Hamburg äußerst
mühsam. Auf die Idee, eine Schnellbuslinie einzurichten, die in
Artlenburg und der Elbmarsch Fahrgäste einsammelt und diese über die A
25 schnell nach Hamburg bringt, ist wohl noch niemand gekommen. Artlenburg
hat seinen Bewohnern für einen Ort dieser Größe erstaunlich viel zu
bieten. Während vergleichbare Orte oder Stadtteile froh sein können,
wenn sich wenigstens die Dorfkneipe noch hält, kann der Artlenburger darüber
hinaus fast alle Grundbedürfnisse im Ort decken. Lebensmittel bei Spar
und Edeka, Brot vom Bäcker, Fisch und Gemüse vom Wochenmarkt, sogar die
Schulbücher besorgt das liebenswerte Schmöckerstübchen, das ob seiner
Diddl-Angebote zum Liebling der Kinder geworden ist. Friseur,
Autowerkstatt, Motorradhandel, Eiscafe, Fahrradhändler und ein
erstklassiger Gärtner runden ein durchaus nicht selbstverständliche
Angebot ab. Auch
außerhalb des Ortes lassen die angebotenen Einkaufsmöglichkeiten kaum Wünsche
offen. Sechs große Supermärkte buhlen um die Kunden. Der Einkaufsbummel
in der verträumten Stadt Lüneburg bringt auch großen Genuss fürs Auge.
Bleiben dort Wünsche offen, so ist Hamburg nicht weit.
Artlenburg
hat den Menschen, die hier wohnen, viel zu bieten. Auch den mehreren
hundert Urlaubern, die regelmäßig die schönste Zeit des Jahres auf
ihrer Yacht im Hafen oder auf dem Campingplatz verbringen. Überschaubar
hingegen ist das Angebot für den Besucher auf der Durchreise. Und das ist
eigentlich schade. Das
Lüneburger Land ist nicht nur ein wichtiges Zentrum der deutschen
Reiterei, sondern auch ein Paradies für Golfer. Wer im Süden der
Republik von Artlenburg erzählt, wird nur selten jemanden finden, der mit
diesem Namen geografisch viel anfangen kann. Trifft er hingegen auf einen
Golfer, so reicht eigentlich die (nicht ganz korrekte) Beschreibung, dass
Artlenburg zwischen Schloss Lüdersburg und St. Dionys liegt. Denn diese
beliebten und schönen Golfplätze sind bundesweit bekannt. Die neue
Golfanlage in Adendorf ist auf gutem Weg dorthin.
Für ein solches Angebot würden wohl nicht nur die Golfer bleiben. Sondern auch die immer zahlreicher werdenden Fahrradtouristen. Vielleicht bleibt mancher für immer...
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