Die Heimat des map - report

Artlenburg an der Elbe

Unterschätzte niedersächsische Boomregion

Der Flecken Artlenburg liegt im Nordwesten des Landkreises Lüneburg direkt an der Elbe. Während die deutsche Teilung überwunden ist, kann Artlenburg das von sich nicht behaupten: In West/Ost-Richtung wird der Ort getrennt durch den Elbe-Seiten-Kanal, der bei Artlenburg in die Elbe fließt. In Nord/Süd-Richtung trennt die Bundesstraße 209 von Lüneburg in Richtung Lübeck.

Artlenburg hat eine lange Geschichte. In grauer Vorzeit, als die Salzstadt Lüneburg zu Ruhm und Reichtum kam, wurde das weiße Gold mit Pferdefuhrwerken an die Elbe bei Artlenburg gebracht, übergesetzt und in Höhe der Ertheburg auf Holsteiner Seite wieder auf Pferdefuhrwerke umgeladen. Die brachten das Salz dann nach Lübeck, von wo es in die gesamte Ostseeregion verschifft wurde.

Gewinner absolut

Einwohner

Ort

2002

2012

Differenz

in %

Lüneburg

69.971

78.287

8.316

11,88%

Oldenburg (Oldenburg)

157.437

165.249

7.812

4,96%

Vechta

28.946

34.278

5.332

18,42%

Stuhr

31.933

37.231

5.298

16,59%

Papenteich

23.069

27.715

4.646

20,14%

Edewecht

20.085

24.691

4.606

22,93%

Harsefeld

20.186

24.744

4.558

22,58%

Sehnde

21.543

25.927

4.384

20,35%

Wedemark

28.798

32.702

3.904

13,56%

Scharnebeck

14.688

18.476

3.788

25,79%

Quelle: Schätzung des Statistischen Landesamtes Niedersachsen

 

 

 

 

 

 

 

 

Als 1990 in Artlenburg an der Elbe der map – report gegründet wurde, hatte der Ort rund 1.300 Einwohner. Heute sind es fast 1.700 Einwohner. Von derartigen  Wachstumsraten der Einwohnerzahl können die großen Verlierermetropolen nur träumen. Und es geht weiter.

Auf Deutschland kommt eine gigantische demografische Katastrophe zu, deren Ausmaß sich heute kaum jemand vorstellen kann. Hintergrund: Seit 30 Jahren werden in Deutschland weniger Kinder geboren als Menschen sterben. Deutschland vergreist durch seine Kinderfeindlichkeit. Vor allem die völlig überteuerten Metropolen wie München, Frankfurt und Stuttgart, in denen sich normale Menschen die Miete für ein Kinderzimmer praktisch nicht mehr leisten können. Das gilt vielfach auch schon für das völlig überteuerte Umfeld.

Auch die starke Wirtschaftsmetropole Hamburg ist alles andere als billig. Vor allem in den Nobellagen an Elbe und Alster werden für Häuser und Wohnungen astronomische Preise und Mieten verlangt. Effekt: Viele Hanseaten sind ins nördliche und südliche Umland ausgewichen. Das merkt man den dortigen Preisen schon an. So liegen die Mieten in Buchholz in der Nordheide stellenweise über dem Niveau von Hannover-Zoo, wo Kanzler Schröder residiert.

Und so suchen die Hanseaten weitere preiswerte und attraktive Ausweichmöglichkeiten, die sie inzwischen im Südosten entdeckt haben. Ein Trend, der weitergeht, glaubt man den Prognosen des Niedersächsischen Statistischen Landesamtes. Danach wird Lüneburg bis 2012 den höchsten absoluten Einwohnerzuwachs in Niedersachsen verbuchen können, noch vor den Kinderhochburgen Oldenburg und Vechta. 

Gewinner relativ

Einwohner

Ort

2002

2012

Differenz

in %

Scharnebeck

14.688

18.476

3.788

25,79%

Ilmenau

10.120

12.496

2.376

23,48%

Edewecht

20.085

24.691

4.606

22,93%

Harsefeld

20.186

24.744

4.558

22,58%

Elbmarsch

10.991

13.467

2.476

22,53%

Quelle: Schätzung des Statistischen Landesamtes Niedersachsen

 

 

 

 

 

Sieht man sich hingegen die hochgerechneten prozentualen Wachstumsraten der Statistiker an, so dominiert die Samtgemeinde Scharnebeck (Landkreis Lüneburg), zu der auch Artlenburg gehört. Ein Wachstum von sagenhaften 25,79 % wird hier vorhergesagt. Das ist wohl kein Zufall: Auf dem nächsten Platz folgt die Samtgemeinde Ilmenau, ebenfalls aus dem Landkreis Lüneburg. Und der Rang fünf geht an die Samtgemeinde Elbmarsch aus dem Landkreis Harburg, die unmittelbar an der westlichen Dorfgrenze Artlenburgs  beginnt. Basis dieser Hochrechnungen der Statistiker ist vermutlich der Einfamilienhausboom der vergangenen Jahre. Der dürfte sich aber immer stärker abschwächen, denn selbst unter verträumten Häuslebauern dürfte sich bald herumsprechen, dass in 30 bis 50 Jahren, wenn Deutschland 15 Millionen Einwohner weniger hat und vom verbliebenen Rest die Hälfte im Seniorenalter ist, der Verkaufserlös eines Hauses deutlich unter dem heutigen Kaufpreis liegen könnte, weil sich die Nachfrage deutlich abschwächen wird. Das vorhergesagte Wachstum in der Einwohnerzahl werden Artlenburg und die Nachbargemeinden wohl nur erreichen, wenn sie Investoren suchen, die, als zweites Standbein, ein attraktives Angebot an Mietwohnungen schaffen.

Die Chancen stehen gut, denn nach Fertigstellung der beiden Autobahnen A 25 (Hamburg-Geesthacht) und A 250 (Hamburg-Lüneburg) besteht für Artlenburger mit dem Auto eine hervorragende Anbindung an Hamburg. Die Autobahnen sind in weniger als 20 Minuten erreichbar, die Hamburger Innenstadt in weniger als 45 Minuten. Allerdings ist das Auto unverzichtbar. Wer von Artlenburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hamburg möchte, muss eine Verdreifachung dieser Fahrzeit einkalkulieren. Die „Schnell“-Buslinie Lauenburg- Hamburg ist höchst unattraktiv. Die Fahrt von Artlenburg über den Lüneburger Bahnhof nach Hamburg äußerst mühsam. Auf die Idee, eine Schnellbuslinie einzurichten, die in Artlenburg und der Elbmarsch Fahrgäste einsammelt und diese über die A 25 schnell nach Hamburg bringt, ist wohl noch niemand gekommen.

Artlenburg hat seinen Bewohnern für einen Ort dieser Größe erstaunlich viel zu bieten. Während vergleichbare Orte oder Stadtteile froh sein können, wenn sich wenigstens die Dorfkneipe noch hält, kann der Artlenburger darüber hinaus fast alle Grundbedürfnisse im Ort decken. Lebensmittel bei Spar und Edeka, Brot vom Bäcker, Fisch und Gemüse vom Wochenmarkt, sogar die Schulbücher besorgt das liebenswerte Schmöckerstübchen, das ob seiner Diddl-Angebote zum Liebling der Kinder geworden ist. Friseur, Autowerkstatt, Motorradhandel, Eiscafe, Fahrradhändler und ein erstklassiger Gärtner runden ein durchaus nicht selbstverständliche Angebot ab.

Auch außerhalb des Ortes lassen die angebotenen Einkaufsmöglichkeiten kaum Wünsche offen. Sechs große Supermärkte buhlen um die Kunden. Der Einkaufsbummel in der verträumten Stadt Lüneburg bringt auch großen Genuss fürs Auge. Bleiben dort Wünsche offen, so ist Hamburg nicht weit.  

Kinder können in Artlenburg Kindergarten und Grundschule vor Ort besuchen und in ihrer Freizeit zum Beispiel aus vielfältigsten Angeboten eines sehr munteren Sportvereins wählen. Vor allem aber können sie im Dorf spielen „wie früher“. Freibäder in Tespe und Lauenburg, das Lüneburger Spaßbad Salü, das Adendorfer Kindertobeland Alcino, das Lüneburger Großkino Cine Star sowie Reitvereine in Brietlingen und Scharnebeck ergänzen die Möglichkeiten. Moderne Spielplätze gibt es auch, und der Weg zu Deutschlands wohl schönstem Spielplatz im Hamburger Park Planten un Bloomen ist auch für die Kleinsten erträglich.  

Artlenburg hat den Menschen, die hier wohnen, viel zu bieten. Auch den mehreren hundert Urlaubern, die regelmäßig die schönste Zeit des Jahres auf ihrer Yacht im Hafen oder auf dem Campingplatz verbringen. Überschaubar hingegen ist das Angebot für den Besucher auf der Durchreise. Und das ist eigentlich schade.

Das Lüneburger Land ist nicht nur ein wichtiges Zentrum der deutschen Reiterei, sondern auch ein Paradies für Golfer. Wer im Süden der Republik von Artlenburg erzählt, wird nur selten jemanden finden, der mit diesem Namen geografisch viel anfangen kann. Trifft er hingegen auf einen Golfer, so reicht eigentlich die (nicht ganz korrekte) Beschreibung, dass Artlenburg zwischen Schloss Lüdersburg und St. Dionys liegt. Denn diese beliebten und schönen Golfplätze sind bundesweit bekannt. Die neue Golfanlage in Adendorf ist auf gutem Weg dorthin.  

Äußerst kaufkräftige Ausflügler passieren also häufig Artlenburg. Mancher wird die hübsche Holländer Windmühle registrieren, Versicherungsmakler und Finanzjournalisten an den map – report denken. Doch wer in Höhe des Schiffsanlegers den traumhaft schönen Blick auf die Elbe mit der Lauenburger Elbbrücke im Hintergrund länger genießen will, der findet kein kulinarisches Angebot. Baulich wäre das angesichts der Notwendigkeiten des Hochwasserschutzes sicherlich schwierig. Doch träumen darf man ja wohl. Vom kindgerechten Spitzenklasserestaurant mit Elbblick, Biergarten und Kinderspielplatz. Denn Leute mit Geld gehen gern besonders gut essen und haben viele Kinder.

Für ein solches Angebot würden wohl nicht nur die Golfer bleiben. Sondern auch die immer zahlreicher werdenden Fahrradtouristen. Vielleicht bleibt mancher für immer...