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Arbeitsplätze zu verkaufen Das
mit der Marktwirtschaft ist schon eine schöne Sache. Weil Unternehmen
sich frei bewegen können, ist plötzlich überall alles zu kaufen. Die
bunte Welt des Konsums glitzert. Flanieren in den Einkaufspassagen und
Fußgängerzonen wird zur beliebten Freizeitveranstaltung. Wenn man das
Geld hat, den Verlockungen des Konsums zu erliegen. Dazu muss man die
Marktwirtschaft aber erst einmal verstehen. Auf
dem Wochenmarkt ist die Rollenverteilung noch relativ klar. Die Oma, die
mit ihrer Einkaufstasche den Markt betritt, um ein Bund Möhren zu
erstehen, das ist zweifelsohne die Nachfragerin. Der Bauer hinter den
Kisten mit Obst und Gemüse, der ihr im Tausch gegen Geld, den
Kaufpreis, die Möhren übergibt, das ist der Anbieter. Der Unternehmer.
Er erscheint in ländlicher Arbeitskluft und nicht etwa im
Nadelstreifenanzug mit eleganter Krawatte. An Äußerlichkeiten ist er
als Unternehmer also nicht so leicht erkennbar. Doch
jetzt wird es schwierig: Die holde Gattin hat den Möhrenunternehmer
gebeten, nach dem Wochenmarkt noch einkaufen zu gehen. Im Supermarkt
soll er noch eine Kiste Bier und einige Tüten Chips besorgen, weil sich
Besuch angekündigt hat. Und vom Büromarkt soll er noch eine
Druckerpatrone mitbringen, damit sie Buchhaltungsunterlagen ausdrucken
kann. Und nun? Der Möhrenunternehmer betritt den Supermarkt, danach den
Büromarkt. Als Unternehmer? Keineswegs. Plötzlich wird aus dem
Unternehmer ein Konsument. Aus dem Anbieter ein Nachfrager. Einmal
Unternehmer – immer Unternehmer? Keineswegs. Zur Marktwirtschaft gehört
der ständige Rollentausch. Aber
richtig schwierig wird es, wenn das Geschäft boomt und der Möhrenunternehmer
mit seiner Familie die Arbeit nicht mehr schaffen. Sie brauchen Verstärkung
auf dem Acker. Woher? Vom Arbeitsmarkt natürlich. Nur – wer ist hier
was? Für
Sozialromantiker ist die Sache klar: Einmal Unternehmer – immer
Unternehmer. Am Arbeitsmarkt sind Unternehmer die Anbieter. Sie bieten
Arbeitsplätze an. Wie der Möhrenunternehmer seine Möhren auf dem
Wochenmarkt. Der bekommt Geld, wenn er seine Möhren losschlägt.
Bekommt der Anbieter von Arbeitsplätzen am Arbeitsmarkt Geld, wenn er
seine Arbeitsplätze losschlägt? Das wäre der Traum jedes klammen
Unternehmers: Wenn er Geld braucht, geht er an den Arbeitsmarkt und
verkauft Arbeitsplätze. Vom Verkaufserlös kann er dann seine
Rechnungen bezahlen... Welch
ein Unfug. Natürlich sind rund fünf Millionen Unternehmen, Behörden,
Vereine und Verbände die Konsumenten am Arbeitsmarkt. Sie wollen eine
Dienstleistung einkaufen: Arbeit. Dafür bekommen sie kein Geld. Sondern
müssen viel Geld bezahlen. So viel wie kaum anderswo auf der Welt. Als
Verkäufer stehen ihnen über 38 Millionen Arbeitskraftunternehmer gegenüber.
Zum Schutz vor 5 Millionen Konsumenten haben sich viele der rund 38
Millionen Arbeitskraftunternehmer in mächtigen Kartellen organisiert.
Man nennt sie Gewerkschaften. Seit
30 Jahren haben weit mehr als eine Million Arbeitskraftunternehmer
Probleme, ihr Produkt zu verkaufen. Das nennt man Arbeitslosigkeit.
Unternehmer wissen, was bei Absatzkrisen zu tun ist: Konzentration auf
die Kernkompetenz. Anbieten, was die Konsumenten kaufen möchten. Und
das in einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis, das für den
Unternehmer noch profitabel ist. Auf Preisschlachten lassen sich
erfolgreiche Unternehmer selten ein. Wer viel verdienen will, bietet
hohe Qualität und möglichst auch Alleinstellungsmerkmale. Vor allem aber wird der Unternehmer versuchen, seine Kunden von seinen Produkten zu überzeugen. Man stelle sich nur einmal vor, ein Autobauer wie Opel wäre mit dem Absatz seiner Astra in Bochum unzufrieden. Er würde deshalb den Zugang zum Stadion des Fußball-Bundesligisten VfL Bochum so lange blockieren, bis mindestens 1.000 Fußballfans einen zusätzlichen Astra kaufen...
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