Grundgedanken des Ratings
von Lebensversicherern

(von Manfred Poweleit)


  • Lebensversicherungen mit Sparvorgang sind extreme Sonderformen der Vorzugsaktien. Ablaufleistungen sind in erheblichem Maße abhängig vom unternehmerischen Erfolg des Lebensversicherers, soweit er dem Kunden nützt.

  • Lebensversicherungsprodukte sind Gewinnverteilungsinstrumente. Wenn wenig Gewinn zur Verteilung ansteht, nützen auch die besten Verteilungsinstrumente dem Kunden wenig.

  • Ablaufleistungen in der Vergangenheit sagen viel. Aber nur wenig über die Zukunft. Werden die drei nächsten Vorstandsgenerationen so gut sein wie die letzten drei Vorstandsgenerationen?

  • Beispielrechnungen sind Hochrechnungen der gegenwärtigen Gewinnbeteiligung. Im Vergleich mit anderen Anbietern sagen sie viel darüber aus, ob der Kunde vom Versicherer derzeit viel Geld bekommt. Mit Prognosen haben sie nichts zu tun. Erst recht nicht mit Leistungsversprechen für die Zukunft.

  • Bilanzanalysen geben wertvolle Hinweise auf Stärken und Schwächen der Gesellschaft in der jüngeren Vergangenheit. Zukunftsaussagen können daraus nicht abgeleitet werden.

  • Es gibt kein verlässliches Instrument, um den Dollar-Stand der nächsten Wochen, den DAX im nächsten Monat oder die Arbeitslosenquote in einem Jahr vorherzusagen. Erst recht nicht die Ablaufleistung eines Lebensversicherungsvertrages in 30 Jahren auf Euro und Cent. Auch die Verwissenschaftlichung journalistischer Ratings löst dieses Problem nicht.

  • Durch Vernachlässigung von Service lassen sich Bilanz- und Vertragsdaten verbessern. Im Sinne des Kunden kann das nicht sein.

  • Ratings sind eine Sonderform des journalistischen Kommentars. Sie bewerten den Gesamteindruck des Unternehmens aus heutiger Sicht. Deshalb können sie nie objektiv sein. Auch die Vielfalt der Rating-Kriterien wird bleiben, wie die Vielfalt journalistischer Meinungen in Kommentaren.