FALLEN FÜR VERBRAUCHER

    
Zum Beispiel:
Unfallversicherungen

Nun sind Sie davon überzeugt, dass man den Ausfall der Erträge aus seiner Arbeitskraft für den Fall von Invalidität und Tod absichern sollte. Jetzt müssen Sie sich nur noch mit zwei Fragen beschäftigen: Wann brauchen Sie mehr Rente: wenn Sie durch einen Schlaganfall in den Rollstuhl kommen oder wenn ein Verkehrsunfall daran Schuld ist. Wann braucht Ihre Familie eine höhere Hinterbliebenenversorgung: Wenn Sie an einem Herzinfarkt sterben oder wenn Sie vom Auto überfahren werden?

Zwei blödsinnige Fragen? Das meinen wir auch. Der Ausfall des Einkommens ist das Risiko. Nicht die Ursache, die zu diesem Ausfall geführt hat.

Trotzdem haben über 30 Millionen Bundesbürger eine Unfallversicherung gekauft. Mehrere Millionen haben mit ihrem Lebensversicherer vereinbart, dass bei Tod durch Unfall die doppelte Versicherungssumme ausgezahlt wird. Keine Gratisleistung des Versicherers. Sondern eine sündhaft teure Extra-Versicherung...

Unter den Todesursachen haben Unfälle einen Anteil von 2,67 %. Der Anteil bei den Renten wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit liegt bei etwa 2,73 %. Eine Unfallversicherung deckt also noch nicht einmal 3 % des Invaliditätsrisikos ab. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung 100 %. Trotzdem stehen sich am Markt über 30 Millionen verkaufte Unfallversicherungen und knapp 13 Millionen Berufsunfähigkeitsversicherungen gegenüber. Warum wird uns ein derartiger Unfug angedreht?

Ganz einfach: An einer Police, die kaum jemand braucht, verdienen sich die Versicherer eine goldene Nase. Rund eine Milliarde EURO im Jahr. Soviel wie in keiner anderen Sparte. 20 % Profit. Traumhaft angesichts gewaltiger Verluste mit Auto- und Industrieversicherungen. Deshalb werden für das Nonsensprodukt fürstliche Provisionen bezahlt. Ergebnis: von 50 EURO Prämien werden 19 EURO für Kosten, aber nur 18 EURO für Schäden ausgegeben.

Kein Wunder, dass Massen von Versicherungsvertretern seit Jahrzehnten gedrillt werden, Unfallversicherungen zu verkaufen. Horror der Assekuranzvorstände: Ihre Vertreter merken eines Tages, wozu sie hier missbraucht werden.

Wenn aber das Internet im Versicherungsvertrieb den prognostizierten Erfolg haben wird, dann können sich die Vertriebsvorstände gemütlich zurücklehnen. Auch die hochgelobten virtuellen Versicherungsmärkte brauchen dringend die Provision aus der Unfallversicherung, um ihr Geschäft schnell ins Verdienen zu bekommen. Deshalb wird diese Sparte fleißig angeboten. Kritische Anmerkungen? Fehlanzeige...